Beitrag TT (17-04-2018)

Runder Tisch zur Innsbruck Wahl

Wieso kandidieren Sie alle für das Bürgermeisteramt?

Gerald Depaoli: Ich will Bürgermeister werden, weil ich der Meinung bin, dass es für eine Stadt wie Innsbruck ausreichend ist, wenn man mit Herz, Hirn und Hausverstand an die Sache herangeht. Bei Problemen, die man selber vielleicht nicht so gut im Griff hat, kann man sich seine Meinung durch Beiziehung von Fachexperten bilden.

Ein Wahlkampfthema, das alle Listen eint, ist leistbares Wohnen. ….. Wo sehen Sie den richtigen Weg?

Depaoli: Innsbruck ist aufgrund der Begrenzung durch die Berge nicht mehr beliebig ausdehnbar, man wird also um gewisse Verdichtungsmaßnahmen nicht herumkommen – allerdings sollten diese in vernünftiger Weise und zum Stadtteil passend erfolgen. Ein gutes Beispiel ist etwa die Premstraße – dort ist zwar verdichtet gebaut worden, aber so, dass die Lebensqualität nicht gelitten hat. Ein mahnendes Beispiel sind hingegen die Türme in der Bienerstraße, wo sich die Leute quasi gegenseitig ins Schlafzimmer schauen können.

Wie viele neue Sozialwohnungen braucht es in der neuen Legislaturperiode?

Depaoli: In einem VW Golf haben fünf Leute Platz – wenn ich neun unterbringe, ist es für alle unbequem. Innsbruck kann man nur bis zu einem gewissen Grad ausbauen. Dann muss ich mich fragen, wie ich Leute, die in Innsbruck sein wollen, vielleicht im Umland unterbringen und per Öffis schnell hereinbringen kann. Immer nur zu wachsen, geht zulasten der Lebensqualität der eingesessenen Bürger.

Auch die Forderung nach mehr Bürgerbeteiligung ist Ihren Listen gemeinsam. Wie soll diese künftig organisiert werden?

Depaoli: Wir waren zuhause drei Kinder, jeden Freitag holte uns der Vater zusammen und fragte: Was machen wir am Wochenende? Wir nannten unsere Wünsche – und gemacht wurde immer, was der Vater wollte. Genau so ist das in Innsbruck. Gemacht wird nur das, was die Stadt will, sie fährt bei allem drüber. Die Hürde bei Volksbefragungen ist so hoch, dass sie praktisch undurchführbar sind. Der Bürger ist der Zahler, dem Bürger gehört die Stadt – er muss wieder mehr mitreden.

Wie sehen Sie die finanzielle Lage der Stadt, was würden Sie hier rasch ändern?

Depaoli: Die Stadt soll nicht mehr so viel für Monsterprojekte ausgeben. Ich behaupte, dass die Stadtschulden bei über einer Milliarde Euro liegen, wenn man die Verbindlichkeiten der 28 ausgelagerten Tochtergesellschaften dazurechnet. Wir würden als erstes einen Kassasturz unter Einbeziehung all dieser Tochtergesellschaften machen.

Rechnen Sie sich Chancen auf die Bürgermeister-Stichwahl aus? Und sehen Sie Ihre Liste eher in der Regierung oder in der Opposition?

Depaoli: Ich gehe davon aus, dass sich die etablierten Kandidaten durchsetzen und ich die Stichwahl nicht erreiche. Wir sind jedenfalls das Sprachrohr der Innsbrucker Bürger, sowohl in der Opposition, als auch in einer Regierung.